Hoffnung im Krisengebiet

Zerplatzte Träume

2011 gingen viele in Syrien mit großen Träumen einer besseren Zukunft auf die Straße. Selbst während des Krieges motivierte diese Hoffnung viele, im Land zu bleiben. Heute, zehn Jahre später, ist die Hoffnung wie Seifenblasen zerplatzt und viele bereuen es, nicht geflohen zu sein.

Nach den Kriegsjahren ist die finanzielle Lage ist dramatisch. Das durchschnittliche Einkommen für einen Regierungsangestellter ist durch die Inflation auf umgerechnet 40 USD, für Soldaten auf 20 USD gefallen. Familien können nur als Großfamilie ihren Alltag finanzieren, weil ein Gehalt für die Familie nicht ausreicht. Wer keine Familienangehörigen im Ausland hat, kann seinen Lebensunterhalt fast nicht finanzieren.

Die Abwanderung nach Europa, Amerika und Kanada ist bei der jungen Generation vor allem den jungen Männern ununterbrochen hoch. Zum einen gibt es keine beruflichen Perspektiven und die Universitäten arbeiten nur auf minimalem Level. Weil es fast keine Dozenten mehr gibt, haben viele Fakultäten nicht mehr geöffnet. Auch müssen junge Männer direkt nach dem Studium für zehn Jahre zum Militärdienst. Durch die fehlenden Fachkräfte ist sowohl die Bildung als auch die medizinische Versorgung extrem schlecht geworden. Insgesamt ist die Hoffnungslosigkeit bei der jungen Generation groß. Noch immer gibt es Schmuggler, die für 20.000 Euro die Leute auf dem Landweg nach Europa bringen. Oft legt die Familie das gesamte Geld zusammen um einem Angehörigen die Reise ins Ausland zu ermöglichen. Viele Familien sind deshalb auf der ganzen Welt verstreut. Die Regierung subventioniert Brot, Öl, Gas zum Kochen und Sprit zum Tanken. Allerdings reichen die Rationen für eine Familie nicht aus. Der Schwarzmarkt floriert und auch die Korruption ist höher als vor dem Krieg. Einige wenige Regionen wie Idlib und Teile von Aleppo sind weiterhin in der Hand der islamistischen Rebellen. Die meisten Regionen im Land sind jedoch wieder unter der Kontrolle der Regierung.

Christen und die Kirche in Syrien

Es gibt noch ca. 3 % Christen im Land. Die meisten von ihnen leben in den Städten Aleppo und Damaskus. Der größte Teil der Christen gehört den traditionellen orthodoxen Kirchen an. Darüber hinaus gibt es einige wenige katholische, protestantische und evangelikale Gemeinden. Die Kirchen untereinander sind wenig vernetzt und leider oftmals auch zerstritten, weshalb es auch kein Netzwerk gibt, das die Christen im Land vertritt.

Während es vor dem Krieg viele soziale Projekte der Kirchen gab, gibt es heute nur noch vereinzelt kleinere diakonische Programme, die vor allem den Christen helfen sollen. Die Abwanderung hat auch auf die Gemeindearbeit große Auswirkungen, weil sich immer weniger Christen aktiv am Gemeindeleben beteiligen. Vor allem die junge Generation ist nach dem Krieg weniger in der Gemeinde präsent. Jugendkreise werden immer kleiner und nur noch wenige Leute lassen sich zum Ehrenamt motivieren.  Viele der Gemeindeleiter machen sich große Vorwürfe weshalb sie die Menschen während des Krieges motiviert haben, im Land zu bleiben. Niemand hat erahnt, dass das Land nach dem Krieg in so eine tiefe Krise rutscht. Die syrische Kirche, egal welcher Denomination, steckt in einer großen Krise.