Am 1. Februar 2021 riss das Militär in Myanmar die Macht an sich und setzte die demokratisch gewählte Regierung ab. Der Putsch stürzte das Land in einen bis heute anhaltenden Bürgerkrieg. Nun, fünf Jahre später, wurde zum ersten Mal wieder gewählt. Wir stehen im engem Austausch mit unseren Partnerorganisationen vor Ort.
„Viele Menschen halten die Wahlen für nicht legitim”, schreibt Nyan, dessen richtiger Name aus Sicherheitsgründen geheim bleiben muss. „Wie erwartet, hat die vom Militär unterstützte Partei USDP einen Erdrutschsieg errungen. Es wurde angekündigt, dass wir im April eine neue, sogenannte Zivilregierung bekommen. Aber wahrscheinlich werden die Personen der alten Regierung an der Macht bleiben.”
Wahl ohne Wahl
Mit der Wahl versucht das Militär seine Macht zu legitimieren. Der Bevölkerung war versprochen worden, zur Demokratie zurückzukehren und eine nationale Aussöhnung einzuleiten. Doch die Militärjunta hatte bereits im Vorfeld sichergestellt, dass die USDP die Wahl gewinnt: Oppositionelle Parteien wurden weitgehend ausgeschlossen zudem konnten in mehreren Regionen wegen der eskalierenden Kämpfe überhaupt keine Wahllokale öffnen. Denn in Myanmar herrscht nach wie vor Krieg, wie Kha schildert: „Luftangriffe des Militärs gehören inzwischen zu unserem Alltag. Im Dezember flog das Militär einen Angriff auf ein Krankenhaus im Rakhaing-Staat – zahlreiche Menschen starben oder wurden verletzt. Vor einigen Wochen wurde sogar eine christliche Hochzeitsfeier bombardiert.”
Christen geben nicht auf
Auch Kha dürfen wir nicht bei seinem richtigen Namen nennen, denn Christen wie er bleiben in Myanmar lieber unter dem Radar. Der Buddhismus ist hier politisch wie kulturell dominant, zudem gehören viele Christen ethnischen Minderheiten an und werden deswegen vom Militär als Bedrohung angesehen werden. Außerdem steht das Militär in enger Verbindung zu radikalen buddhistischen Gruppen. Diese haben in der Vergangenheit zum Beispiel das restriktive „Konversionsgesetz“ unterstützt, das es für Christen gefährlich macht, ihren Glauben mit anderen zu teilen.
Besonders im Kachin- und Chin-Staat erleben Christen Verfolgung oder müssen zumindest äußerst vorsichtig agieren. So auch die christlichen Projektpartner von Coworkers, die sich bei der Verbreitung von Glaubenskursen und der Evangelisation unter Studierenden engagieren. Auch bei dem verheerenden Erdbeben vor knapp einem Jahr konnten Christen, unterstützt von Coworkers, Nothilfe leisten.
Zuversicht trotz Gewalt
Trotz der Gefahren wächst die christliche Gemeinschaft in Myanmar weiter. Sie schöpfen aus ihrem Glauben Kraft und Hoffnung. „Wir beten weiterhin, dass Gott alles zum Guten wenden möge“, sagt Nyan. „Dass er den Verantwortlichen Weisheit schenkt und uns Ausdauer sowie Treue in unserem Dienst.“
