Drei Jahre nach Beginn der Kämpfe zählt der Krieg im Sudan zu den schlimmsten humanitären Krisen weltweit. Millionen Menschen sind auf der Flucht, Hunderttausende wurden getötet. Christen geraten zwischen die Fronten. Coworkers unterstützt mehrere christliche Organisationen in der Region und berichtet aus einem Land im Krieg.
15. April 2023: Der schwelende Machtkampf zwischen den beiden Anführern der Sudanesischen Streitkräften (SAF) und der paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces (RSF) eskaliert. Ein Putsch gegen das de facto Staatsoberhaupt in der Hauptstadtregion um Khartum scheitert. Doch die Gewalt breitet sich schrittweise auf das ganze Land aus. Bis zu 250.000 Menschen wurden seither getötet – eine Schätzung, denn anhaltende Kämpfe und von der Außenwelt abgeschnittene Regionen verhindern verlässliche Erhebungen.
Vor allem den Kämpfern der RSF werden schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen. Berichte dokumentieren gezielte Tötungen von Zivilisten, Massenerschießungen, Entführungen von Frauen und das bewusste Aushungern ganzer Ortschaften. Das Sterben geht täglich weiter, denn die meisten Sudanesen erreicht schon lange keine humanitäre oder medizinische Versorgung mehr.
Flucht in Nachbarstaaten
Millionen Sudanesen befinden sich auf der Flucht und leben unter dramatischen Bedingungen. Ein Projektpartner von Coworkers im Nachbarland Tschad berichtet von stark unterernährten Flüchtlingen, die dort ankommen. Die lokalen Kirchen stehen vor enormen Herausforderungen und versuchen, so viele Menschen wie möglich mit Reis, Hirse, Hygieneartikeln und einfachen Liegematten zu versorgen. Nach Ägypten sind besonders viele Sudanesen geflohen. Hier ist es aktuell aber sehr herausfordernd für sie, da sie nicht erwünscht sind. Verschiedene Partner von Coworkers unterstützen die sudanesischen Geflüchteten und berichten auch davon, dass es eine Offenheit für das Evangelium gibt.
Christen besonders schutzlos
Das Kriegsgeschehen im Sudan ist nicht leicht zu fassen. Seit 1956 ist der Vielvölkerstaat selten ganz zur Ruhe gekommen. Immer wieder entzünden sich lokale oder ethnische Konflikte, die zu landesweiten Gewaltausbrüchen eskalieren. Meist geht es um Land, Öl oder Gold.
Sowohl die Anhänger der RSF als auch der SAF sind Muslime. Der Kampf gegen Christen ist nicht ihr erklärtes Ziel, doch unsere Glaubensgeschwister geraten im Chaos des Konflikts zwischen die Fronten und leiden sehr unter den Kämpfen, da sie als Minderheit besonders schutzlos sind. Schon vor dem Ausbruch des Krieges 2023, hatten es Christen im Land schwer. Seit sich 2011 der vor allem christlich geprägte Süden des Landes unabhängig gemacht hatte, wurden nicht-islamische Gemeinschaften benachteiligt. Viele Christen hielten von da ab ihren Glauben geheim, vor allem solche, die sich vom Islam zum Christentum bekehrt hatten. Seit Beginn des Krieges gibt es außerdem Berichte von Zwangskonversionen zum Islam, niedergebrannten Kirchen und entführten geistlichen Leitern.
Hoffnung nach Massaker
Besonders schwere Kämpfe erschütterten die Darfur-Region. In der Umgebung der ehemaligen Großstadt Al‑Faschir kam es Ende 2025 zu einem Massaker der RSF an Zivilisten. Verlässliche Opferzahlen existieren nicht; Schätzungen gehen von mehreren Zehntausend Ermordeten aus.
In dieser Region arbeitet ebenfalls ein Coworkers‑Projektpartner. Er unterstützt ein Netzwerk christlicher Untergrundgemeinden ehemaliger Muslime aus 13 verschiedenen Ethnien. Neben der Verteilung von Lebensmitteln liegt jetzt ein Schwerpunkt auf Traumabegleitung für schwer belastete Menschen. „Wir möchten muslimische Gemeinschaften erreichen und die frohe Botschaft von Jesus durch Evangelisation, Jüngerschaft und der Schulung von Leitern weitergeben“, schreibt ein Mitarbeiter der Organisation. „Wir dienen denen, die jetzt konkret Hilfe brauchen. Inmitten von Konflikten und Armut folgen wir Jesu Beispiel und geben Gottes Liebe auf respektvolle und kultursensible Weise weiter.“
In der Darfur-Region ist es etwas ruhiger geworden. Doch der Krieg ist nicht vorbei. Er ist nur weitergezogen in den Süden des Sudan. Coworkers will auch künftig an der Seite seiner Projektpartner bleiben – dort, wo Not am größten ist, und oft abseits der internationalen Aufmerksamkeit.
