Entschieden zu bleiben

Projekte – 5687 Syrien

Pastor Edward ist Leiter der Allianzkirchen in Syrien und im Libanon. Er lebt mit seiner Frau in Damaskus.
Im Interview berichtet er über ein Land nach dem Bürgerkrieg.

Sie haben trotz des Krieges Syrien nie verlassen. Haben Sie manchmal gezweifelt, ob das der richtige Platz für Sie ist?
Über die Jahre habe ich erlebt, dass die Erfahrung der Gegenwart Gottes das Wichtigste ist. So können Herausforderungen und Ängste überwunden werden. Der Herr tat Dinge, die über unsere Pläne und Vorstellung hinaus gingen. Zum Beispiel, dass Menschen in die Kirchen kamen, weil sie wussten, hier finden sie Hilfe und Frieden. Deswegen war unsere Präsenz wichtig. An meine Grenzen kam ich, wenn unsere Kinder, die in den USA leben, sich um uns sorgten. Das war die größte Last.

Was sind die größten Risiken für Christen in Syrien in den kommenden Jahren?
Die Situation mit den neuen Machthabern ist sehr alarmierend und herausfordernd. Die größte Angst der Christen sind extreme islamische Ideologien, wie die Scharia, die auf dem Vormarsch sind. Das fürchten nicht nur Christen, sondern auch Muslime. Gott sei Dank gibt es aktuell keine direkte Verfolgung von Christen, aber wir denken, dass die Scharia auf unser Leben Auswirkungen haben wird. Was auf jeden Fall nicht zum Frieden beiträgt, ist, dass die neue Regierung alle einflussreichen Posten mit radikalen Muslimen besetzt. Diese Personen sind nicht dafür ausgebildet, sie kennen sich nur in der Scharia aus.

Wie sieht christliche Hoffnung in einem Land aus, das seit Jahren verwüstet ist?
Die Menschen, die in Syrien geblieben sind, die hier begeistert ihren Dienst tun und Gottes Liebe widerspiegeln, sind ihrem Ruf gefolgt. Sie haben erlebt, dass ihr Leben von Bedeutung ist, wenn es etwas dient, das selbst der Tod nicht töten kann: der großen Vision von Gottes Reich. Das gibt Menschen Kraft, Herausforderungen zu ertragen. Ihre Überzeugung lautet: „Liebe berührt die tiefsten Wunden.“

Was bedeutet das für Syrer, deren Leben von Gewalt, Verlust und Trauma geprägt ist?
Das Gefühl, geliebt und akzeptiert zu werden, kann heilen. Christen, die keine tiefe Beziehung zum Vater, die nicht den Heiligen Geist haben, erfahren die Liebe Gottes nicht. Eine Beziehung zu Jesus zu
haben und seine Liebe zu kennen, ist eine heilende Kraft. Ich ermutige, diese Beziehung zu vertiefen. Das wird alle Wunden heilen.

Gibt es etwas, das Ihnen Hoffnung gibt, wenn Sie an die Zukunft der Menschen in Syrien denken?
Wenn ich andere Christen sehe, die leidenschaftlich Gott dienen, ermutigt mich das am meisten. Wenn ich in die Welt schaue, ist da nichts, was Hoffnung gibt. Aber die Augen dieser Christen sind eine große Ermutigung.

Was wünschen Sie sich von den Christen in Europa?
Gebet bedeutet uns viel. Als ich neulich hörte, dass eine Gruppe junger Leute einen ganzen Abend für die Jugend in Syrien betete, weinte ich. Wir alle gehören zu einem Leib und wenn ein Teil leidet, dann leiden alle. Betet für geistliche Leiter, denn wir brauchen mehr Menschen, die vom Heiligen Geist erfüllt sind und Gottes Vision für die Kirche haben.