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Christsein im Schatten der Dschihadisten

Projekte – IDEA-Artikel im Christenverfolgung Spezial 2021
13.10.2021

Im Niger verbreiten muslimische Extremisten Angst und Schrecken und bedrohen dabei gezielt Christen. Doch die Verfolgung geht nicht nur von militanten Gruppen aus. Ein Beitrag im IDEA Christenverfolgung Spezial 2021

Einem Heuschreckenschwarm gleichend überfallen sie Dörfer im Niger – die Dschihadisten. Dort plündern sie, bedrohen die Bewohner und morden. Vor allem die Teile des Landes, die grenznah zum ebenfalls krisengeschüttelten Burkina Faso liegen, sind von dieser Gewalt betroffen. Selbst entlang der großen Straße, die von der Hauptstadt Niamey zur Grenze führt, wird von solchen Anschlägen berichtet. Dabei sind besonders die Christen in den Dörfern im Blick der Überfälle. Die Terroristen rufen sie dazu auf, ihre Dörfer zu verlassen, und bedrohen Kirchenleitungen. Ziel ist es, die Region von Christen zu säubern. Die Angreifer wollen alles aus dem Weg räumen, was dem fundamentalen Islam im Wege stehen könnte. Dazu gehören teilweise auch Bildungseinrichtungen wie Schulen.

Allein übrig geblieben
Immer wieder werden Christen bei den Übergriffen nicht nur verjagt, sondern auch ermordet. So verloren zwei Kinder bei einem solchen Angriff ihre Eltern. Während der erwachsene Bruder kurz vor seiner Hochzeit stand, erklärte sich ein christliches Internat dazu bereit, das junge Mädchen aufzunehmen. Doch der Bruder erlebte seine Hochzeit nicht mehr: Die Terroristen kehrten zurück und töteten auch ihn. Das Mädchen konnte fliehen und sich im Nachbarort verstecken. Heute lebt sie als einzige Überlebende ihrer Familie im Internat. Die jüngsten Erfolge der Taliban in Afghanistan ermutigen die Dschihadisten im Niger und den benachbarten Ländern der Sahelzone, ihren Einfluss auszuweiten. Der Druck auf die Christen in der Region wird in Zukunft wohl noch stärker werden.

Strategiewechsel
In den letzten Monaten scheinen die Milizen ihre Strategie jedoch geändert zu haben, um so Christen noch effektiver vertreiben zu können: Während die Islamisten zuvor ein ganzes Dorf angriffen und auch die Muslime unter ihrer Gewalt leiden ließen, überlassen die Terroristen nun den Dorfbewohnern ihre „Arbeit“. Sie geben den dort lebenden Muslimen die Schuld, dass sich eine Kirche in ihrem Ort ansiedeln konnte, und drohen ihnen mit Vergeltung dafür. Als Resultat verjagen die verängstigten Einheimischen ihre christlichen Nachbarn, um sich so vor den Dschihadisten zu schützen. Solche Drohungen sorgen dafür, dass ehemals friedliche Nachbarn zu Feinden werden. Häufig fliehen die betroffenen Christen in die größeren Städte und müssen sich dort eine neue Existenz aufbauen. Im Niger verbreiten muslimische Extremisten Angst und Schrecken und bedrohen dabei gezielt Christen. Doch die Verfolgung geht nicht nur von militanten Gruppen aus.

Schikanen auf dem Land
Auch wenn der Niger bislang als weitgehend tolerantes Land in Bezug auf unterschiedliche Religionen galt, bedeutet dies nicht, dass Christenverfolgung erst mit dem Eindringen von radikalen Muslimen Einzug ins Land gefunden hat. Gerade in ländlichen, überwiegend von Muslimen bewohnten Gebieten fordern beispielsweise Bauern junge, arbeitssuchende Christen auf, öffentlich zum Islam überzutreten, um Arbeit zu bekommen.Immer wieder werden Christen zudem von der örtlichen Wasserversorgung ausgeschlossen, was eine ernsthafte Bedrohung für die Lebensgrundlage bedeutet. Besonders für ehemalige Muslime, die zum Christentum konvertiert sind, machen es solche Umstände schwer, an ihrem Glauben festzuhalten. Häufig erdulden sie diese Form von Benachteiligung, um nicht komplett aus ihren Familien und Dörfern ausgeschlossen zu werden.

Kein Mitspracherecht
Auch junge muslimische Frauen, die Christinnen werden, erleben Druck, vor allem von ihrer Familie. Kommen sie ins heiratsfähige Alter, werden sie kulturbedingt ohne eigenes Mitspracherecht von ihren Verwandten verheiratet – meist in eine muslimische Familie. Dort haben die Christinnen kaum eine Möglichkeit, ihren Glauben zu leben, und müssen zumindest offiziell zum Islam zurückkehren. Unser Partner berichtet vom tragischen Schicksal einer jungen Frau: In den letzten sieben Jahren wurde dieses Mädchen von der Familie ihresVaters zur Prostitution gezwungen. Doch sie lernte Christen kennen, die ihr helfen wollten, das Haus ihres Vaters zu verlassen. Als die Familie davon erfuhr, brachen ihr die Verwandten als Strafe das Handgelenk. Ihr Vater und seine neue Frau bestanden darauf, dass sie zur Prostitution zurückkehrte, um Geld für die Familie zu verdienen. Denn obwohl die Frau inzwischen erwachsen ist, gehört sie bis zur Heirat ihrem Vater. Immer wieder erhielt die junge Christin Drohungen und fürchtete um ihr Leben. Christen gelang es schließlich, sie aus dem Haus ihres Vaters zu befreien. Mittlerweile lebt sie in einem Schutzhaus, wo sie Versorgung und Seelsorge erfährt.

Die Hoffnung nicht aufgeben
Trotz der schwierigen Situation machen sich Evangelisten in die Dörfer auf. Sie bringen Nahrung oder bohren Wasserlöcher, um ihnen auf diese Weise Gottes Liebe zu zeigen. Häufig begegnen ihnen die Muslime mit Misstrauen, nehmen teilweise die Hilfe deshalb nicht an. Dennoch
geben die Christen im Land die Hoffnung nicht auf und erzählen weiter von Jesus – weil sie glauben, dass Liebe stärker ist als aller Hass.

 

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